Steinmeier warnt nach Kältewelle: Mehr Hilfe für Obdachlose in Deutschland dringend nötig

Angesichts der jüngsten Kältewelle hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf das Leid der Zehntausenden Obdachlosen in Deutschland hingewiesen und die Politik zum Handeln aufgerufen. „Die Kältewelle zeigt besonders dramatisch, was jeden Tag unerträglich ist: dass Zehntausende Menschen in Deutschland auf der Straße leben müssen“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Mittwochausgaben). „Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen, und das zu ändern, ist Aufgabe der Politik.“

In ersten Bilanzen der letzten Tage berichten Sozialverbände von mehreren Todesfällen. So sind laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe in diesem Winter bereits mindestens vier obdachlose Menschen an den Folgen extremer Kälte gestorben. Angesichts der Minusgrade hatten Wohlfahrtsverbände ihre mobilen Hilfen wie Kältebusse, Nachtcafés und zusätzliche Übernachtungsplätze bundesweit verstärkt.

Der Bundespräsident bedankte sich bei den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz. „Die verlässliche Hilfe der vielen Initiativen vor Ort bleibt unersetzlich“, sagte Steinmeier. Deshalb gehe sein Dank in diesen eisigen Nächten an alle Helfer in den Notunterkünften, Suppenküchen und Kältebussen, „die bis spät in die Nacht unterwegs sind, um Leben zu retten“.

Steinmeier hat als Bundespräsident mehrfach auf das Thema aufmerksam gemacht, etwa durch die Beteiligung an öffentlichen Aktionen wie dem Verteilen von Suppe oder durch Einladungen von Betroffenen ins Schloss Bellevue. „Ich bin selbst im Berliner Kältebus mitgefahren und weiß: Diese Menschen leisten Außerordentliches“, sagte er. Bei seinen Besuchen in den unterschiedlichen Hilfseinrichtungen sei er immer wieder tief beeindruckt vom unermüdlichen Einsatz der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helfer. Sie seien „ein starkes und sichtbares Zeichen der Mitmenschlichkeit in unserer Gesellschaft“, so Steinmeier. „Dafür bin ich zutiefst dankbar“.

Das Staatsoberhaupt rief zudem zu allgemeiner Achtsamkeit auf. „In der akuten Krise kann aber auch jede und jeder Einzelne einen Unterschied machen: ein freundliches Wort, ein warmes Getränk, das Gefühl, nicht übersehen zu werden.“

Die Bundesregierung geht davon aus, dass mehr als 531.000 Menschen in Deutschland wohnungslos sind, davon sind rund 47.000 ganz ohne Obdach und schlafen auf der Straße. Wohlfahrtsverbände warnen, dass die Hilfsangebote oft nicht ausreichten und kritisieren zudem die geplanten Verschärfungen in der Grundsicherung. Die Bundesregierung würde damit die Armut vergrößern, hatte etwa der Sozialverband VdK kritisiert.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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