Südekum warnt vor Investitionsstau trotz Sondervermögen

Trotz des neuen Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) sieht der Ökonom Jens Südekum die Gefahr eines langfristigen Investitionsstaus. „Das darf natürlich nicht so weitergehen, dass sich jedes Jahr eine Bugwelle aus nicht ausgegebenen Investitionsmitteln bildet“, sagte der persönliche Berater von Bundesfinanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil dem „Spiegel“.

Er bezog sich dabei auf fast 30 Milliarden Euro an geplanten Investitionsausgaben des Bundes, die 2025 übrig geblieben waren. Der Ökonom hofft, dass bald schneller und unbürokratischer gebaut wird – besonders durch das sogenannte Infrastrukturzukunftsgesetz, das beschleunigte Verfahren wegen überragenden öffentlichen Interesses ermöglichen soll.

Südekum hatte zusammen mit drei Kollegen ein Konzept entworfen, das vor rund einem Jahr als Vorlage für das Sondervermögen und eine Lockerung der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben diente. Noch vor ihrem Antritt hatte die Bundesregierung entsprechende Grundgesetzänderungen auf den Weg gebracht – aus Sorge, dass diese im neuen Bundestag wegen der erstarkten AfD nicht mehr möglich sein würden. „Man musste den zweiten Schritt vor dem ersten gehen“, räumte Südekum ein. „In einer idealen Welt hätte es erst einen Masterplan mit verschiedenen Reformen gegeben. So aber muss man im laufenden Betrieb die Umsetzung organisieren.“

An dieser Umsetzung gibt es erhebliche Kritik – auch weil die Regierung Ausgaben aus dem regulären Haushalt ins Sondervermögen verschoben hat. „So werden dann Geschenke wie die niedrigere Mehrwertsteuer in der Gastronomie quersubventioniert“, sagte der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). „Das ist fatal.“

Krischer verlangte, dass die Mittel nach Bedarf und nicht nach Proporz verteilt werden. Er habe in seinem Bundesland das schlechteste Bahnnetz aller Bundesländer, bei ihm werde das Geld dringender benötigt als andernorts. 100 Milliarden Euro an SVIK-Mitteln gehen über den sogenannten Königsteiner Schlüssel an die Länder: Je mehr Steueraufkommen und Einwohner, desto mehr Geld fließt.

Wollte Krischer den gesamten Verkehr von der Kreisstraße über die ICE-Trasse bis hin zur Autobahn einmal durchsanieren, so bräuchte er nach eigener Einschätzung 130 Milliarden Euro – schon das ist mehr als der rechnerische Anteil seines Bundeslandes am Sondervermögen. Das Problem: „Damit ist dann aber noch keine Schule, kein Krankenhaus und keine Uni saniert“, so Krischer.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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