Airbus-Verwaltungsratschef Obermann: Europa muss Industrienationalismus im Verteidigungssektor überwinden

Airbus-Verwaltungsratschef René Obermann hat die Europäer zu einer besseren Zusammenarbeit in Rüstungsfragen aufgefordert. Es sei „wichtiger denn je“, den „Industrienationalismus im Verteidigungssektor zu überwinden“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe) und „Le Monde“.

Er sei sich der Schwierigkeiten der europäischen Regierungen bewusst, so etwas zu realisieren. „Doch wenn aus der derzeitigen Bedrohung ein realer Konflikt wird, wird es wahrscheinlich schon zu spät sein“, mahnte der frühere Telekom-Chef.

„Unzeitgemäß“ ist für den Airbus-Chairman in diesem Zusammenhang das Prinzip des Geo-Returns, des „geografischen Rückflusses“, das den Ländern bei Gemeinschaftsvorhaben Industrieaufträge in Höhe ihres Finanzierungsanteils sichert. Es stärke nationale Interessen auf Kosten europäischer Interessen. „Damit schießt sich Europa selbst ins Knie“, so Obermann. Zudem kritisierte er, dass konkrete Entscheidungen, die eine Harmonisierung der Beschaffung, Standardisierung von Waffensystemen und Beschleunigung der wichtigsten Programme ermöglichten, weiter auf sich warten ließen.

Obermann forderte mehr Effizienz beim Ressourceneinsatz und eine klare Aufteilung der Zuständigkeiten bei europäischen Kooperationsprogrammen. Zwar gebe es „ermutigende Veränderungen“. Ein Beispiel seien beschleunigte Beschaffungsverfahren. „Wir müssen die schnelle Umsetzung der Suche nach der perfekten Lösung vorziehen, müssen noch enger mit ukrainischen Unternehmen zusammenarbeiten und uns an deren Entwicklungstempo und Innovationszyklen annähern“, sagte er. Die Spezifikationen bei der Auftragsvergabe müssten „weniger komplex und stärker auf die operativen Ziele ausgerichtet sein“.

Den Ausdruck „Fiasko“ wies Obermann mit Blick auf das gescheiterte deutsch-französische Kampfflugzeug als Teil des Luftkampfsystems FCAS zurück. „Wollen Sie das wirklich so nennen? Ich nicht. Eine Reihe von Elementen von FCAS können weitergeführt werden“, sagte er.

Ein Kampfflugzeug der sechsten Generation nannte er „unverzichtbar“. Man müsse sich das als „Edge-Computing-Plattform vorstellen, die nah am Einsatzgebiet in Echtzeit bemannte und unbemannte Einheiten über Satelliten-, Boden- und fliegende Netzwerke koordiniert“. Airbus verfüge laut Obermann über die notwendigen Kompetenzen, um hier eine führende Rolle zu spielen.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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