Rating-Abstufung droht: Regierung und Ökonomen warnen vor Verlust des Triple-A für Deutschland

In der Bundesregierung und unter Ökonomen wächst die Sorge vor einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands. „Wenn die Schulden hoch bleiben, das Wachstum aber nicht anspringt, könnten die Ratingagenturen Deutschlands Triple-A-Rating infrage stellen“, sagte ein ranghoher Regierungsvertreter dem „Handelsblatt“. Ein anderer Regierungsvertreter ist derselben Ansicht: „Nicht sofort, aber in den nächsten Jahren könnten wir unter Druck geraten, wenn es so weitergeht“, sagte er.

Zwar haben die drei führenden Ratingagenturen S&P Global, Moodys und Fitch im Frühjahr Deutschlands Top-Bonität bestätigt. Aber Deutschland wird längst nicht mehr so positiv gesehen wie noch vor einigen Jahren. „Der Druck auf das Rating hat zugenommen“, sagte Malgorzata Wegner, Expertin für Länderbewertungen bei der Ratingagentur Fitch, dem „Handelsblatt“. Hauptgründe hierfür seien die steigende Staatsverschuldung, das schwache mittelfristige Wachstum und die Unsicherheit über den weiteren politischen Kurs nach der laufenden Legislaturperiode.

Auch Ökonomen sind alarmiert. „Es würde mich nicht überraschen, falls eine der Ratingagenturen in nicht allzu ferner Zukunft mit einem negativen Ausblick um die Ecke käme“, sagte der Ökonom Moritz Krämer, der lange bei der Ratingagentur S&P Global Ratings gearbeitet hat. „Wenn Deutschland kein Wachstum schafft, wird auf mittlere Sicht das AAA-Rating in Gefahr geraten“, sagte Jörg Rocholl, Präsident der Wirtschaftshochschule ESMT. „Wenn eine wirksame Reform der Schuldenbremse unterbleibt und zu erwarten ist, dass sich der Anstieg der gesamtstaatlichen Schuldenquote mittelfristig weiter fortsetzt, ist eine Herabstufung des Ratings letztlich unvermeidlich“, sagte Thiess Büttner, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Stabilitätsrats.

Laut einer internen Vorlage des Bundesfinanzministeriums, aus der das „Handelsblatt“ berichtet, würden sich Deutschlands Zinskosten bei einem einprozentigen Zinsanstieg mittelfristig um 17,3 Milliarden Euro im Jahr erhöhen.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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