KKI sieht Gefährdung der Infrastruktur in Berlin und Brandenburg

Der Vorsitzende der Kommission Kritische Infrastrukturen (KKI), Martin Debusmann, warnt vor einer wachsenden Gefährdung kritischer Versorgungsnetze in Berlin und Brandenburg.

„Wir sind gut trainiert darin, unsere Infrastrukturen zuverlässig zu betreiben“, sagte Debusmann der „Welt“. Dennoch komme es täglich zu Störungen, teils auch zu größeren Notfällen.

Besorgniserregend sei vor allem, wenn mehrere dieser Ereignisse „gehäuft auftreten oder in den Abhängigkeiten zu Ereignissen führen“. Als Beispiele nannte er den Blackout in Berlin-Köpenick oder einen Wasserrohrbruch in Berlin-Wedding.

Laut Debusmann bereitet sich die KKI derzeit verstärkt auf vernetzte Krisenszenarien vor.

Neben technischen Ausfällen spielten dabei auch gezielte Angriffe eine Rolle. „Wir sehen in verschiedenen Krisenspots auf der Welt, insbesondere in der Ukraine, dass man eben auch damit rechnen muss, dass gezielt manipuliert oder angegriffen wird.“

Dabei kritisierte Debusmann, dass die Kommunikation zwischen Behörden und Unternehmen bislang oft in einer Einbahnstraße verlaufe: „Wir werden immer aufgefordert, jeden Vorfall zur Anzeige zu bringen – wir tun das auch. Aber wir kriegen selten etwas zurück.“

Um die Resilienz zu erhöhen, hat die KKI fünf konkrete Forderungen an die Berliner Politik formuliert.

Dazu zählen unter anderem eine bessere Vorbereitung der Bevölkerung, sektorübergreifende Risikoanalysen, eine klare Koordinationsstruktur im Krisenfall und regelmäßige Übungen. Zudem warnte Debusmann vor einem sorglosen Umgang mit sicherheitsrelevanten Daten.

So sei etwa die massenverarbeitbare Veröffentlichung von Energieanlagen mit exakten Geokoordinaten „eine Blaupause“, um gezielt Infrastruktur lahmzulegen.

Besonders kritisch sieht Debusmann die Sicherheitslage in der Hauptstadtregion. „Berlin importiert nahezu alles, was es braucht“, so der KKI-Vorsitzende.

Eine engere technische und organisatorische Vernetzung mit Brandenburg könne die Resilienz deutlich erhöhen. Gleichzeitig kritisierte er, dass es auf föderaler Ebene zu viele wechselnde Zuständigkeiten gebe: „Für uns wäre es ein wesentlicher Aspekt, dass wir unabhängig davon, wo das eintritt, einen festen Ansprechpartner haben.“

Mit Blick auf zunehmende Angriffe auf Energie- und Wasserversorger forderte Debusmann ein Umdenken.

Man könne nicht jedes Mal bei null anfangen, so Debusmann. „Wir beobachten eine Häufung von Fällen“, sagte er.

„Und wir müssen eine Grundlage schaffen – sei es rechtlich, organisatorisch oder wirtschaftlich – damit wir sinnvoll investieren und uns besser schützen können.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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