Diakonie-Präsident warnt vor Leistungsabbau: Soziale Arbeit muss fair bezahlt werden

Diakoniepräsident Rüdiger Schuch hat mit scharfer Kritik an der Bundesregierung auf die neuesten Zahlen zur finanziellen Lage der Freien Wohlfahrtspflege reagiert.

„Wer soziale Arbeit bestellt, muss sie auch fair bezahlen“, sagte Schuch dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ und ergänzte: „Wir können Tarifsteigerungen und Inflation nicht durch höhere Effizienz wegzaubern – am Ende zahlen die Bedürftigen den Preis durch Leistungsabbau.“ Laut einer Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) rechnen mehr als 80 Prozent der von AWO, Paritätischem, Diakonie und anderen Trägern betriebenen Einrichtungen mit der Kürzung oder Einstellung von sozialen Angeboten. Ein Fünftel musste Leistungen wegen des finanziellen Drucks sogar bereits einstellen.

Schuch nannte die Zahlen der BAGFW-Umfrage alarmierend. Die betroffenen Einrichtungen seien nun gezwungen, den Rotstift dort, anzusetzen, wo es am meisten wehtue: „Bei der Hilfe für Menschen.“ Der Diakonie-Präsident warnte erneut vor den Folgen. „Sparen am Sozialen ist mit die teuerste Form der Haushaltskonsolidierung, denn die gesellschaftlichen Folgekosten einer gespaltenen Gesellschaft sind unbezahlbar.“

Der Diakonie-Präsident warf der Regierung vor, den Bezug zur Realität verloren zu haben. „Mit rund 34.000 Angeboten und zehn Millionen Kontakten im Jahr wissen wir als Diakonie oft früher als jedes Ministerium, wo in Deutschland der Schuh drückt.“ Ökonomie in der Wohlfahrtspflege funktioniere zudem anders als in der Industrie: „Jeder Euro, den der Staat investiert, fließt nicht in Aktionärsrenditen, sondern direkt zu den Menschen mit Hilfebedarf und zahlt damit ein in den Zusammenhalt und die Demokratie.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

  • Related Posts

    ZDF-Politbarometer: Grüne und Linke überholen SPD in aktueller Umfrage

    Grüne und Linke haben im aktuellen „Politbarometer“ des ZDF die SPD überholt.Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, käme die SPD laut der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen auf 12 Prozent…

    Weidel und Chrupalla fordern Abbruch der Listenwahl in Nordrhein-Westfalen

    Die AfD-Bundesspitze fordert den Abbruch der Aufstellungsversammlung der AfD für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen und eine Neuwahl der Landesliste. Dies geht aus einem Schreiben hervor, über das die „Welt“ berichtet.…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert