Bund startet Verkauf von Uniper: Milliarden-Rückkehr an die Börse und strategische Investoren gesucht

Gut dreieinhalb Jahre nach der staatlichen Milliarden-Rettung des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper leitet die Bundesregierung an diesem Dienstag den weitgehenden Wiederverkauf des Unternehmens ein.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, sieht das nun fertiggestellte Privatisierungskonzept des Finanzministeriums vor, dass der Bund seine Beteiligung an dem Gas- und Stromversorger vom Ende dieses Jahres an von heute 99,1 Prozent auf 25 Prozent plus eine Aktie reduziert. Dabei ist die Regierung außer für den Verkauf eines oder mehrerer Aktienpakete an langfristig orientierte Investoren auch für einen Börsengang sowie für eine Kombination aus beiden Optionen offen.

Der Börsenwert von Uniper liegt derzeit bei rund 18 Milliarden Euro. Allerdings ist die Summe angesichts der sehr geringen Zahl gehandelter Anteilsscheine mit Vorsicht zu genießen. So könnte der Aktienkurs in dem Moment, da der Bund größere Mengen zum Verkauf anbietet, durchaus deutlich sinken. Dennoch deuten die derzeitigen Werte darauf hin, dass Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) im Zuge der Neuordnung mit mindestens hohen einstelligen Milliardeneinnahmen rechnen könnte.

Der Bund hatte Uniper nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und der Einstellung der Gaslieferungen aus Russland Ende 2022 mit einer Verstaatlichung und einer Kapitalspritze von 13,5 Milliarden Euro vor der Pleite gerettet. Der Konzern beliefert unter anderem mehr als 1.000 Stadtwerke und Industriebetriebe mit Erdgas. Um bei wichtigen energiestrategischen Entscheidungen weiter mitreden zu können und die Gasversorgung zu sichern, will die Regierung auch nach der weitgehenden Re-Privatisierung ein Paket von 25 Prozent plus einer Aktie an dem Unternehmen behalten. Die übrigen gut 74 Prozent aber sollen in den kommenden Monaten veräußert werden.

Nach den Informationen der Zeitung können sich Firmen, die sich an Uniper beteiligen wollen, bis zum 12. Juni beim Finanzministerium melden. Gesucht werden Investoren, die den Konzern als Ganzes erhalten und langfristig an Bord bleiben wollen. Infrage kämen damit beispielsweise große Pensionsfonds oder Energieunternehmen wie die norwegische Equinor-Gruppe, die schon einmal Interesse bekundet haben soll. Außen vor wären hingegen reine Finanzinvestoren, die sich mit dem möglichen Ziel engagierten, Uniper nach kurzer Zeit aufzuspalten und in Einzelteilen gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Um flexibel zu bleiben, bereitet die Regierung parallel dazu aber auch eine Börsenplatzierung von Uniper-Aktien vor, die im Januar kommenden Jahres stattfinden würde. Dabei würden aber womöglich nicht alle verbliebenen Anteilsscheine auf einmal offeriert, vielmehr würde sich der Bund mutmaßlich bis Ende 2028 Zeit nehmen, um die Papiere preisschonend zu veräußern. Je nachdem, wie die Gespräche mit den strategischen Interessenten ausgehen, ist am Ende neben einer Platzierung der gesamten gut 74 Prozent am Aktienmarkt aber auch ein vollständiger Verzicht auf den Börsengang möglich. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass der Bund ein, zwei strategische Investoren ins Boot holt und einen kleineren Anteil, beispielsweise 25 Prozent, über die Börse verkauft.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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