Verfassungsschutz will neue und erweiterte Fähigkeiten im Kampf gegen Anschläge

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz fordert von der Politik im Kampf gegen wachsende Sicherheitsrisiken eindringlich neue Befugnisse für den Inlands-Nachrichtendienst.

„Sicherheit und Souveränität resultieren aus Abschreckung und Wehrhaftigkeit“, sagte Selen der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwochausgabe). Ein Abwehrdienst habe die „klare und unmissverständliche Mission, den Angriffen effektiv entgegenzutreten“, erklärte er. „Wir müssen in Zukunft operativer arbeiten. Dafür brauchen wir neue und erweiterte Fähigkeiten.“

Damit spricht er sich für einen Wandel vom Nachrichtendienst, der Informationen sammelt, zum echten Geheimdienst aus. „Unsere Aufgabe heißt nicht erklären oder beobachten, sondern Bedrohungen zu beherrschen oder zu verhindern.“ Entscheidend sei das etwa bei geplanten extremistischen Anschlägen oder auch bei Waffenlieferungen. Das Ziel heiße: „Gefahren erkennen, Bedrohungen unterbinden. Und mit den gewonnenen Erkenntnissen neue verhindern, bevor sie entstehen.“

Seine Behörde sieht Selen wegen wachsender Gefahren für die Demokratie vor einem einschneidenden Wandel. Herausforderungen habe sich der Dienst in den 75 Jahren seit seinem Bestehen immer wieder stellen müssen. Nun aber sei „eine tiefgreifende Transformation“ gefordert.

Selen, der zuvor unter anderem für das BKA, die Bundespolizei und das Bundesinnenministerium gearbeitet hatte, ist seit vergangenem Oktober neuer Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Sein Alltag habe sich mit dem Schritt an die Spitze nicht geändert. Rund um die Uhr erreichbar zu sein, sei für ihn nichts Besonderes. Sein Handy liege schon seit Jahrzehnten neben seinem Bett, nicht erst, seit er Präsident der Behörde sei, so Selen. „Bedrohungslagen gehören in Sicherheitsbehörden zum Alltag.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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