Sozialverbände signalisieren Unterstützung für höhere Rentenbeiträge

In der Debatte über die Zukunft der gesetzlichen Rente signalisieren die Sozialverbände Unterstützung für eine Anhebung der Beiträge. Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die Menschen seien bereit, etwas höhere Rentenbeiträge zu zahlen, wenn sie dafür im Alter eine gute Rente bekämen. Klar sei, dass die Alterssicherung in Zukunft mehr Geld kosten werde. Die Debatte greife zu kurz, wenn sie sich zu stark auf die Höhe der Rentenbeiträge konzentriere, so Engelmeier.

Weiter sagte sie: „In der aktuellen Debatte wird oft verschleiert, dass es in Wahrheit um die Frage geht, wie dieses Geld aufgebracht werden soll. Entweder im Umlagesystem, paritätisch finanziert von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, oder von jedem privat. Das ist die Entscheidung, vor der wir stehen.“

Laut Engelmeier werde die gesetzliche Rente in der öffentlichen Diskussion oft schlechter dargestellt, als sie in Wirklichkeit sei. „Ja, es braucht Reformen, aber das umlagefinanzierte System ist stabil, verlässlich und solidarisch.“ Deshalb brauche es jetzt einen ausgewogenen Maßnahmenmix: Versicherungsfremde Leistungen müssten aus Steuermitteln finanziert werden, alle Erwerbstätigen müssten in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden, „und erst danach kann geprüft werden, ob eine moderate Anhebung des Beitragssatzes erforderlich ist“.

Auch der Sozialverband VdK Deutschland verwies auf die Bereitschaft der Menschen, höhere Beiträge zu zahlen, wenn dadurch stabile oder sogar bessere Rentenleistungen gesichert werden. VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte den Funke-Zeitungen, der VdK habe deshalb ein Fünf-Punkte-Programm zur langfristigen Finanzierung der gesetzlichen Rente vorgelegt. Dieses sehe neben höheren Bundeszuschüssen und der Einbeziehung von Beamten auch höhere Beitragsbemessungsgrenzen sowie eine stärkere Beteiligung der Arbeitgeber am demografisch bedingten Beitragssatzanstieg vor. Da die Rente noch immer zu drei Vierteln aus Beiträgen und damit aus den Löhnen der Versicherten finanziert werde, müssten Maßnahmen zur Stärkung der Erwerbstätigkeit von Frauen sowie zur besseren Integration von Geflüchteten und älteren Beschäftigten in den Arbeitsmarkt nicht nur angestoßen, sondern auch konsequent umgesetzt werden.

Die Potenziale des Arbeitsmarktes gezielt zu nutzen und zugleich qualitativ hochwertige Betreuungs- und Bildungsinfrastrukturen auszubauen, bleibe ein zentraler Ansatz, um die demografisch bedingten Herausforderungen der gesetzlichen Rente auf mehr Schultern zu verteilen und damit auch den Anstieg der Beiträge zu begrenzen, so Bentele. „Dass der Beitragssatz zur gesetzlichen Rente aufgrund der demografischen Entwicklung im Jahr 2028 steigen wird, ist seit Jahren bekannt. Auch an der Größenordnung des Anstiegs hat sich bislang wenig geändert.“

Am Montag berichteten mehrere Medien darüber, dass die Rentenbeiträge ab dem Jahr 2028 von derzeit 18,6 Prozent auf 19,9 Prozent steigen könnten. Die Deutsche Rentenversicherung Bund bestätigte die Zahlen den Funke-Zeitungen. Der Schätzung der Rentenversicherung zufolge können sich die Rentenbeiträge in den Jahren bis 2040 auf 21,1 Prozent erhöhen.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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