Dürre in Deutschland: Bauernpräsident Rukwied schlägt Alarm und fordert volle Auszahlung der EU-Mittel

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, warnt vor den Folgen der Dürre für die Landwirtschaft. „Die anhaltende Trockenheit und die wiederkehrenden Hitzewellen belasten die Landwirtschaft erheblich“, sagte der Bauernfunktionär dem „Spiegel“. „Sie führen nicht nur zu einer unterdurchschnittlichen Getreideernte und wachsenden Problemen bei den Herbstkulturen, sondern gefährden mittlerweile auch die Futterversorgung.“

In vielen Regionen seien die Erträge beim Grünland deutlich eingebrochen und vor allem auch bei Silomais seien erhebliche Ertragsausfälle sichtbar. In besonders betroffenen Regionen wie in Baden-Württemberg und Bayern wachse nach den ersten Schnitten kein Gras auf dem Grünland mehr nach. „Für die Tierhalter bedeutet das enorme Herausforderungen – sowohl bei der aktuellen Versorgung ihrer Tiere als auch beim Aufbau ausreichender Winterfuttervorräte“, sagte Rukwied.

In diesem Monat wird Rukwied in Berlin die Bilanz seines Verbandes für die Ernte in diesem Jahr vorstellen. Sie dürfte schlecht ausfallen. Erste Einschätzungen kursieren bereits. „Die diesjährige Erntemenge bei Getreide liegt nach jetziger Schätzung gut sieben Prozent unter dem Vorjahreswert. Noch stärker dürften regional die Ernteschäden aufgrund der Dürre bei Mais oder Kartoffeln ausfallen“, sagte Samira Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln dem „Spiegel“: „Die ohnehin hohen Lebensmittelpreise geraten weiter unter Druck.“

Bauernfunktionär Rukwied will vom Landwirtschaftsministerium, dass EU-Gelder schneller ausgezahlt werden. So stehen Deutschland 2027 mehr EU-Mittel für direkte Agrarprämien zur Verfügung, weil eine bisherige Verlagerung von Geld in Umwelt- und Förderprogramme ausläuft. Das CSU-geführte Landwirtschaftsministerium will davon rund 541 Millionen Euro zunächst nicht an die Betriebe auszahlen – offenbar als Reserve für die Zeit ab 2028, falls die EU-Agrarzahlungen dann sinken.

Der Bauernverband jedoch fordert, die Mittel angesichts der angespannten Lage der Höfe vollständig auszubezahlen. Die Landwirte hätten wegen niedriger Erzeugerpreise unterdurchschnittliche Erträge, so Rukwied. Demgegenüber stünden hohe Kosten, etwa beim Diesel. Das belaste die Liquidität vieler Betriebe enorm, sagte Rukwied. Betriebe bräuchten Sonder- oder Zwischenfinanzierungen zur Sicherung der Liquidität und zum Fortbestand des Betriebes. „Gerade in dieser dramatischen Zeit darf es zu keinerlei Kürzungen im Agrarbereich kommen“, fordert Rukwied.

Neben Subventionen soll es aber auch steuerliche Erleichterungen geben. „Die Bauern brauchen für die immer heftigeren Schwankungen bei der Ernte flexiblere Rahmenbedingungen“, sagte der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im Bundestag, Herman Färber, dem „Spiegel“. Er schlägt deshalb vor, dass die Bauern mehr finanzielle Rückstellungen in jenen Jahren machen, wo sie gute Ernten und Gewinne einfahren. „So haben sie einen Puffer für die Dürrejahre“, sagte er. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) solle die steuerpolitischen Voraussetzungen dafür schaffen, fordert Färber.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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