Eine Kostenübernahme von Abnehmspritzen könnte die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im Extremfall mit Milliardenbeträgen belasten.
Würden alle GKV-versicherten Adipositas-Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder mehr regelmäßig damit behandelt, entstünden hochgerechnet jährliche Kosten von etwa 45 Milliarden Euro, sagte AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Das sei sicher ein Maximal-Szenario, aber es zeige die finanziellen Dimensionen dieses Themas.
Die neue Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Sonja Optendrenk, hatte zuletzt eine Kostenübernahme von Abnehmspritzen bei schwerer Adipositas ins Gespräch gebracht. Reimann warnte, so verkürzt könne man die Debatte nicht führen. Die Medikamente würden bereits für Diabetespatienten von der GKV bezahlt. Gleichzeitig gebe es einen „riesigen medialen Hype“, weil manche Menschen die Mittel „ohne medizinischen Hintergrund aus kosmetischen Gründen“ nutzten.
Bei einem BMI von 35 und mehr würden sich die jährlichen Kosten nach Reimanns Berechnung immer noch auf rund 14 Milliarden Euro belaufen. Sie fügte hinzu, dass es sich bei den Zahlen um ein Maximal-Szenario handelt.
Auch generell sieht Reimann die Entwicklung bei den Arzneimittelausgaben kritisch. Bei vielen neuen Medikamenten seien die Preise beim Markteintritt sehr hoch, weil die Hersteller den Preis in den ersten sechs Monaten völlig frei wählen dürften, sagte sie. Für einen hohen zusätzlichen Nutzen sei die GKV „auch bereit, entsprechend zu bezahlen“. Das Problem sei jedoch, dass es immer mehr Therapien ohne zusätzlichen Nutzen gebe, die trotzdem zu hohen Preisen auf den Markt kämen. Gerade bei Medikamenten für seltene Erkrankungen werde der Nutzen teilweise zunächst unterstellt und später nicht ausreichend überprüft, sagte Reimann.
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