Nord Stream: OLG lässt Nebenklagen bei Pipeline-Sprengung nicht zu

Der 3. Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts hat die Nebenklagen der Nord Stream AG und der Nord Stream 2 AG im Verfahren um die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines nicht zugelassen.

Das Gericht entschied, dass es an den erforderlichen „besonderen Gründen“ fehle, die eine Nebenklage rechtfertigen würden, teilte das OLG am Freitag mit. Die Antragstellerinnen hätten demnach keine besondere prozessuale Schutzbedürftigkeit nachweisen können, die durch die wirtschaftlichen Folgen der Tat ausgelöst worden wäre, hieß es.

Die Antragstellerinnen hatten argumentiert, dass die Zerstörung der Pipelines für sie einen „existentiellen Schaden“ darstelle. Der Senat folgte dieser Argumentation jedoch nicht. Die Wiederherstellungskosten, die in mittleren dreistelligen Millionenbeträgen angegeben wurden, seien im Verhältnis zu den ursprünglichen Investitionskosten von insgesamt 7,4 bzw. 9,5 Milliarden Euro nicht als wirtschaftlicher Totalschaden zu bewerten. Zudem seien die weitergehenden wirtschaftlichen Folgen auf politische Reaktionen zurückzuführen und nicht auf die Sprengung selbst.

Auch eine Nebenklagebefugnis zur Abwehr drohender Schuldzuweisungen durch den Angeklagten wurde abgelehnt. Es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass der Angeklagte oder seine Verteidigung solche Schuldzuweisungen in der Hauptverhandlung vornehmen würden. Sollte sich die Sachlage ändern, könnten die Antragstellerinnen erneut eine Zulassung als Nebenkläger beantragen. Die besondere Schutzbedürftigkeit könne zudem nicht allein mit dem wirtschaftlichen Interesse an der Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche begründet werden, da das Zivilprozessrecht hierfür ausreichende Möglichkeiten biete.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

  • Related Posts

    Verkehrsminister Bilger will Pünktlichkeit im Fernverkehr auf 70 Prozent steigern und Druck auf die Deutsche Bahn erhöhen

    Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) verspricht den Bahnkunden in drei Jahren eine spürbare Verbesserung. Der CDU-Politiker sagte der ARD: „Diese spürbare Verbesserung will ich erreichen.“ Damit erhöht Bilger den Druck auf…

    Alexander Schweitzer fordert von Bundesregierung Entlastung beim Tanken und mehr Effizienz

    Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Alexander Schweitzer fordert von der Bundesregierung eine effizientere Arbeit und mehr Entlastungen für die Bürger. Die Bundesregierung müsse „dafür sorgen, dass eine Entlastung beim Tanken bestehen bleibt…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert