Bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien deutet sich ein langer Wahlabend an. Beim Auszählungsstand von 14 Prozent der Stimmen übernahm Flavio Bolsonaro die Führung, nachdem in den ersten knapp drei Stunden nach Schließen der Wahllokale Amtsinhaber Lula da Silva vorn lag.
Bis zum Auszählungsstand von 33 Prozent der Stimmen baute Bolsonaro seinen Vorsprung auf 50,4 Prozent der Stimmen auf. In der ersten Wahlrunde vor drei Wochen war Bolsonaro mit 47 Prozent auf Platz eins gekommen, Lula kam auf rund 45 Prozent.
Der 45-jährige Bolsonaro war lange Abgeordneter im Bundesstaat Rio de Janeiro und sitzt seit 2019 im brasilianischen Senat. Seine Kandidatur ist untrennbar mit der politischen Geschichte seines Vaters verbunden. Jair Bolsonaro prägte mit seinem rechtskonservativen, populistischen Kurs die brasilianische Politik und wurde zu einer Symbolfigur einer tief gespaltenen Gesellschaft.
Der Sohn versuchte zuletzt bewusst, etwas moderater aufzutreten und Kompromissbereitschaft zu signalisieren, wenngleich er in den Augen vieler Brasilianer für ähnliche Werte steht wie der Vater: radikaler Wirtschaftsliberalismus und konsequente Maßnahmen gegen die hohe Kriminalitätsrate im Land.
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