Roland-Berger-Chef fordert Euro-Stärkung und eigene Finanzsysteme gegen US-Einfluss

Roland-Berger-Chef Stefan Schaible empfiehlt den Europäern weitreichende wirtschaftspolitische Maßnahmen, um den Kontinent gegen weitere Attacken der USA zu wappnen. Schließlich sei „nicht mehr auszuschließen, dass die USA ihren Einfluss auf das globale Finanzsystem wie bei den Zöllen gezielt in Richtung Verbündete einsetzen, um handels- oder geopolitische Ziele durchzusetzen“, sagte der Vorstandssprecher der Münchner Unternehmensberatung dem „Spiegel“.

Europa müsse unabhängiger werden, der Hebel dafür sei der Euro. „Der Euro ist die Basis für alles“, sagte Schaible. „Wir brauchen gemeinsame Anleihen, die Eurobonds. Am besten mit allen Ländern, im Zweifel auch nur mit denen, die die Haushaltsdisziplin einhalten.“ Europa müsse zudem mehr Rohstoffe in Euro handeln, eigene Ratingkapazitäten aufbauen und den digitalen Euro einführen. „Das stärkt den Euro als Reservewährung.“

Ferner solle Europa ein eigenes Clearing-System à la Swift aufbauen, so Schaible. Über das Swift-System kommunizieren Tausende Geldhäuser in rund 200 Ländern miteinander – wer dort hinausfliegt, kann im Prinzip den Geschäftsbetrieb einstellen. Die Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication, kurz Swift, sitzt im belgischen La Hulpe; zahlreiche europäische Zentralbanken sind an der Kooperative beteiligt und beaufsichtigen sie. Aber das tut auch die Federal Reserve (Fed), und angesichts der ökonomischen Macht der USA hat sie den größten Einfluss bei Swift.

Schaible traut Europa politisch den Sprung nach vorn zu. „Wenn wir das wollen, ist es gar nicht so schwierig und würde in den USA auch niemanden überraschen“, sagte der Roland-Berger-Chef.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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