Ifo-Umfrage: 8,1 Prozent der deutschen Unternehmen sehen Fortbestand gefährdet – Einzelhandel mit Rekordwert

8,1 Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen den eigenen Fortbestand gefährdet. Das ergab die Konjunkturumfrage des Münchner Ifo-Instituts im April. „Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. „Die Insolvenzzahlen dürften vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheit in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau bleiben.“

Besonders kritisch ist die Lage im Einzelhandel: 17,4 Prozent der Unternehmen sehen sich dort existenziell bedroht – ein neuer Höchststand. Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher ist das beherrschende Thema. Zusätzlich belasten der wachsende Online-Handel und Billiganbieter aus dem Ausland die Geschäfte. Insgesamt fürchten 1,6 Prozent aller Handelsunternehmen (Groß- und Einzelhandel), dass sie ihr Geschäft aufgeben müssen.

Branchenübergreifend belasten drei Probleme die Unternehmen: fehlende Aufträge und schwache Nachfrage, steigende Betriebs- und Energiekosten sowie eine zunehmend belastende Bürokratie. Viele Betriebe berichten auch deshalb von zunehmenden Liquiditätsengpässen, weil deren Kunden sparen oder insolvent werden. „Die Krise überträgt sich entlang der Lieferketten“, so Wohlrabe. „Wenn Kunden wegbrechen oder Aufträge stornieren, trifft das die Zulieferer und Dienstleister mit voller Wucht.“

Bei den Dienstleistern sehen sich 7,6 Prozent der Unternehmen in ihrer Existenz bedroht. In den Bereichen Beherbergung und Gastronomie liegt der Wert bei fast zwanzig Prozent. Auch in der Werbung und Marktforschung ist der Anteil mit 14,3 Prozent überdurchschnittlich hoch.

In der Industrie ist die Existenzbedrohung leicht auf 7,5 Prozent zurückgegangen. Dennoch bleibt der Druck erheblich: Hohe Energie- und Rohstoffkosten sowie internationale Wettbewerbsnachteile gegenüber asiatischen Anbietern belasten vor allem exportorientierte Branchen.

Im Bauhauptgewerbe stieg der Anteil leicht auf 7,3 Prozent. Der Auftragseinbruch im Wohnungsbau hält an; lange Genehmigungsverfahren und die Zurückhaltung der Banken bei der Baufinanzierung belasten den Sektor.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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