Stauffenberg-Enkel: AfD darf Kranz niederlegen, aber Umgang mit meinem Großvater ist widerlich

Karl Schenk Graf von Stauffenberg, der Enkel des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, verteidigt das Recht der AfD, einen Kranz bei der Gedenkveranstaltung niederzulegen, kritisiert die Partei aber scharf.

Dem Nachrichtensender „Welt“ sagte der Stauffenberg-Enkel: „Zunächst einmal darf man der AfD, glaube ich, nicht verwehren, einen Kranz niederzulegen. Dafür sind wir Demokraten, dafür müssen wir schauen, dass wir eben auch andersdenkende Menschen zu Wort kommen lassen.“

Gleichzeitig nannte er den Umgang der AfD mit seinem Großvater „ganz grauenhaft und ganz widerlich“. Die Partei missbrauche seinen Großvater für die eigenen Zwecke und versuche, ihn aus seiner Zeit herauszureißen.

Karl Schenk Graf von Stauffenberg verwehrt sich vor allem gegen die Behauptung der AfD, sein Großvater würde heute die AfD wählen. Sein Großvater habe die Geschichte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nie so erleben können, wie wir sie in den letzten 80 Jahren erleben durften. Er habe aber dennoch sein Leben dafür gegeben, um Terror und Unrecht zu beenden. Auch deshalb sei der Stauffenberg-Witz des Kabarettisten Uwe Steimle bei einer AfD-Veranstaltung vergangene Woche „ganz besonders widerlich“ gewesen.

Das Gedenken an die Ereignisse vom 20. Juli 1944 sei auch heute noch wichtig – aber „nur dann, wenn auch Lehren aus der Geschichte gezogen werden und daraus Konsequenzen für uns alle entstehen“, mahnte Karl Schenk Graf von Stauffenberg. Demokratie habe „uns Freiheit, Frieden und Wohlstand gebracht“, aber Demokratie bedeute auch, dafür zu sorgen, „dass solche menschenverachtenden Unrechtsregime wie die NS-Zeit, aber auch das DDR-Regime, in unserem Land nicht wieder vorkommen können“.

Bei der Gedenkveranstaltung der Bundesregierung zum Jahrestag des gescheiterten Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler war es zu einem Eklat wegen eines Kranzes gekommen. Ein Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, Tobias Korenke, versuchte, ein Gebinde der AfD-Bundestagsfraktion an der Gedenkstätte im Bendlerblock zu entfernen. Es folgte ein Handgemenge mit Sicherheitskräften.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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