Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, fordert Nachteile für Patienten, die bei Beschwerden direkt zum Facharzt gehen und die geplante Primärversorgung umgehen. „Wer sich dem entzieht, muss erleben, dass es einen Malus für ihn gibt“, sagte Reinhardt im Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben).
Zunächst müsse es dabei nicht um Geld gehen. „Wer sich nicht an sinnvolle Spielregeln hält, sollte erleben, dass er im Zweifel länger wartet als jemand, der genauso krank ist, aber die Spielregeln eingehalten hat“, präzisierte er.
Die Bundesregierung will die Primärversorgung mit einem eigenen Gesetz neu ordnen. Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) muss dafür noch einen Gesetzentwurf vorlegen. Erste Eckpunkte der geplanten Reform sehen eine stärkere Steuerung der Patienten und eine bessere Vernetzung der Versorgungsbereiche vor.
Reinhardt begründet seinen Vorstoß mit der hohen Zahl der Arzt-Patienten-Kontakte in Deutschland. „Wir haben 9,7 Arzt-Patienten-Kontakte pro Jahr und liegen damit europaweit ganz weit oben. Gleichzeitig haben wir rund 220 stationäre Fälle je 1.000 Einwohner – eine der höchsten Krankenhausbehandlungszahlen weltweit. Das sind auch Folgen unseres völlig ungeregelten Zugangs zu Gesundheitsleistungen“, sagte er.
Eine stärkere Primärversorgung könne deshalb auch Wartezeiten verkürzen. „Es geht bei der Primärversorgung nicht darum, Arztbesuche zu verhindern. Es geht darum, Menschen zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Stelle zu bringen und unnötige Kontakte zu vermeiden“, sagte Reinhardt.
Konkret sollten Patienten zunächst ihren Hausarzt aufsuchen und sich bei Bedarf weiterleiten lassen. Außerhalb der Öffnungszeiten solle die 116117 den Erstkontakt übernehmen. Für das geplante Gesetz fordert Reinhardt ein „pragmatisches System, das Hausärzte, Fachärzte und Kliniken miteinander verbindet und unnötige Bürokratie vermeidet“. Ersteinschätzungen könnten dabei digital oder telemedizinisch unterstützt werden.
Zugleich warnt Reinhardt vor Folgen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes für die Patientenversorgung. „Die mit diesem Gesetz verbundenen Einschnitte werden für alle Beteiligten spürbar sein. Ärzte haben den Anspruch, für kranke Menschen da zu sein. Das wird unter den neuen Bedingungen schwieriger werden“, sagte er.
Wenn Mittel für Personal und offene Sprechstunden wegfielen, werde es schwieriger, Termine vorzuhalten. „Ärzte werden stärker hinschauen müssen, wer die Versorgung im Krankheitsfall vordringlich benötigt“, sagte Reinhardt.
Einschränkungen könnten zunächst Leistungen treffen, die nicht unmittelbar zur medizinischen Versorgung gehörten – etwa die Unterstützung bei Anträgen auf Schwerbehinderung, Pflegeleistungen oder Hilfsmittel. „Besonders schwierig finde ich, dass die geplanten Sparmaßnahmen auch Leistungen der Krankheitsvorbeugung und Früherkennung betreffen“, so der Ärztevertreter.
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